LandIDEE
Ausgabe
Februar März
2010
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STAMMBAUM-MALER
KÜNSTLERISCHE WURZELN
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Viele
Menschen interessieren sich für die Vergangenheit ihrer Familie
und tragen in oft jahrelanger Arbeit die Daten ihrer Ahnen und
Uhrahnen zusammen. Regine und Franz Rosenlechner verwandeln die
nüchternen Fakten in eindrucksvolle Gemälde
Bilder
und Text: copyright by LandIdee
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Fuchs
und Hase können sich hinter dem Haus von Regina und Franz Rosenlechner,
das in ländlicher Idylle außerhalb des Dörfchens Oberwang im Salzkammergut
liegt, zweifellos ganz ungestört "Gute Nacht" sagen. Fichten und
Tannen großen vom Waldrand herüber, während im heimeligen Atelier
des Ehepaares Gehölze der ganz besonderen Art wachsen: Familienstammbäume
- mit viel Liebe zum Detail ebenso kunstfertig wie präzise in
Handarbeit erschaffen. Schon beim Betreten des Hauses geraten
die Besucher ins Staunen. In jedem Zimmer, sogar in der Diele,
reihen sich an den Wänden die unterschiedlichsten Tafeln dicht
gedrängt aneinander. "Und jede ist ein Unikat", bestätigt Regina
Rosenlechner stolz. Die größte
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kann
aus Platzgründen gar nicht aufgehängt werden: Sie misst 7,20 mal
2,20 Meter und zeigt den Stammbaum der Menschheit, auf dem etwa
1000 Personen verzeichnet sind. Die beiden Künstler, die auch
gern historische Stammbäume wie die von Wolf gang Amadeus Mozart
oder Johann Strauss zusammenstellen, haben ihn aus purem Interesse
für sich selbst gestaltet.
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Zum
Übertragen der Namen und Daten aus alten Dokumenten auf dem
Stammbaumentwurf brauchen Regina und Franz Rosenlechner oft
nicht nur eine Lupe, sondern auch Kenntnisse von Kurrent-oder
Sütterlinschrift
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EIN
DENKMAL FÜR DIE AHNEN
Beim
Graben nach den eigenen Wurzeln hat das Ehepaar vor knapp zwanzig
Jahren mit dem Stammbaum-Malen begonnen. Heute kommen die Menschen,
die mit ihrer Hilfe ihren Vorfahren ein künstlerisches Denkmal
setzen wollen, über den deutschsprachigen Raum hinaus aus ganz
Europa.
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Die
erforderlichen Dokumente haben sie im Gepäck. Denn die Rosenlechners
können zwar Tipps geben, die genealogische Forschung muss jedoch
jeder selbst betreiben (siehe Seite 29). Gemeinsam mit den Kunden
überlegen sie bei der Sichtung des Materials, welche Darstellung
am besten geeignet ist - ein dekorativer Stammbaum oder eine repräsentative
Ahnentafel. Der Unterschied: Stammbäume gehen von einem Gründerpaar
aus, im Geäst befinden sich die Nachkommen. Die Ahnentafel beginnt
unten mit der jetzigen Familie und arbeitet sich Elternpaar für
Elternpaar hinauf in die Krone. Bei alteingesessenen Familien
sind oft auch Erbhofchroniken gefragt. Das ist nicht die einzige
Entscheidung, die getroffen werden muss.
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Wie
sollen die Ornamente mit den Personendaten aussehen? Gibt es Porträtfotos
und Wappen? Wichtig ist der Baum: Häufig wird die Eiche bevorzugt,
aber auch das Laub von Buche, Esche oder Kastanie bietet einen
schönen Schmuck. "Je nach Wunsch können weitere Landschaftselemente,
Straßen, Gebäude oder Ortschaften eingearbeitet werden", verrät
Regina Rosenlechner, die hier ihr großes Maltalent einbringt.
Wenn das Grundgerüst mit Namen, Geburts- und Sterbedaten steht,
wird es auf einen mit einer MDF-Platte stabilisierten wasserfesten
Karton übertragen. Bei der anschließenden Ausschmückung arbeitet
das Ehepaar Hand in Hand. Während er mit Schablonen die Ornamente
aufbringt und diesen mit Hilfe der Airbrush-Technik räumliche
Tiefe verleiht, gestaltet die Künstlerin mit Acrylfarbe die gesamte
Landschaft und gibt dem Gemälde mit geschultem Auge den letzten
Schliff: Hier erhält die Baumrinde eine natürliche Struktur, dort
setzt sie mit dem Pinsel feine Adern in die Blätter. Bis zum Schluss
das Werk mit Klarlack lasiert und auf Wunsch auch gerahmt wird,
sind meist drei bis vier Monate. ins Land gegangen. Franz Rosenlechner:
"Für einen Stammbaum, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht
und über 300 Personen umfasst, brauchen wir sogar fast ein Jahr."
Vom Zeitaufwand ist natürlich auch der Preis einer Familientafel
abhängig: Die günstigste kostet knapp 1000 Euro.
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Auf
einer Palette mischt Regina Rosenlechner das Grün, mit dem
sie die Blätter in den Stammbaum malt. Ihr Mann macht sich
mit der Airbrush-Pistole an die Gestaltung der Ornamente
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MANCHE
KUNDEN FALLEN IHR SPONTAN UM DEN HALS
Und
dann kommt der schwerste Moment. "Es tut oft richtig weh, wenn
wir uns von unseren Stammbäumen verabschieden müssen", gesteht
Regina Rosenlechner. ,,Aber die Freude, die die Leute daran haben,
macht das wieder wett." Es gibt sogar Kunden, die ihr spontan
um den Hals fallen, wenn sie die fertige Tafel in Händen halten.
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| Mit
Redakteurin Angelika Krause blättert Franz Rosenlechner in seinem
Buch "Die Stammbaum-Maler" (links), in dem viele Ahnentafeln (oben),
Stammbäume (rechts) und Hofchroniken abgebildet sind. Es kostet
28 Euro, |
Ausgabe
Februar/März 2010
Text:
Angelika Krause
Fotos: Peter Raider München
copyright by LandIDEE
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10.02.2010
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Dass sich im Herzen des Salzkammergutes, in dem
einst Kaiser, Adelige und Künstler weilten, auf halbem Weg zwischen Mondsee
und Attersee in Oberösterreich, ein Stammbaum-Atelier befindet, kann kein
Zufall sein. Dennoch fand Franz Rosenlechner erst über Umwege zu seiner
wahren Berufung: "Im Alter von 47 Jahren verlor ich aufgrund gesundheitlicher
Probleme meinen Arbeitsplatz. Mehr als Beschäftigungstherapie kaufte ich
mir einen Computer. Mit seiner Hilfe erstellte ich dann den Stammbaum
meiner Familie." 15 Jahre sind seither vergangen und Stammbäume werden
in Oberwang noch immer gezeichnet - aber aufwendiger.
Schon beim Betreten des Wohnhauses der Rosenlechners, in dem sich auch
das Atelier befindet, zeigt sich der künstlerische Schaffens drang des
Ehepaares. Überall an den Wanden hängen liebevoll gestaltete Ahnentafeln.
"Das kleinste Format, in dem wir die Stammbäume fertigen, mißt 70 x 46
cm. Das hat zwei Grunde: Einerseits soll natürlich ein gewisser Gemäldecharakter
er- " halten bleiben, der bei kleineren Dimensionen verlorenginge, an-
dererseits auch der Übersichtlichkeit wegen. Selbst bei Ahnenfolgen, die
im späten 19. Jahrhundert enden, - kommen wir auf 50 Personen", erzählt
Regina Rosenlechner und die brauchen eben Platz.
Ins Staunen gerät der Besucher, wenn er dieser Tage in das im ersten
Stock gelegene Atelier kommt. Dort wird gerade an einem Stammbaum im Format
220 x 180 cm gearbeitet. Hier beginnt die Ahnenfolge im 16. Jahrhundert
und umfaßt etwa 180 Personen. "Bei dieser Größe stoßen wir an unsere Grenzen.
Da wir den Stammbaum in einem Stück herstellen, können wir ihn nur so
groß machen, wie wir ihn durch die Türe bringen", so die Hausherrin. Gearbeitet
wird auf wasserfestem Papier. "Leinwand ist für unsere Arbeit ungeeignet,
weil wir auf die grobe Struktur des Stoffes nicht die feinen Schriften
aufbringen können. Da sich der Papierbogen aber beim Bemalen wellt, muß
er zuerst stabilisiert werden, indem er unter hohem Druck auf eine Hartfaserplatte
aufgepreßt wird."
Der Baum und die Blätter werden in Acrylfarben mit Pinsel gemalt. "Acryl
hat gegenüber der Aquarelltechnik den Vorteil, daß Sonnen licht und Temperaturschwankungen
den Farben nichts anhaben können." Zur Demonstration ihres Geschicks greift
Regina Rosenlechner nach ihrer Farbpalette, mischt mit sicherem Gefühl
die Farben und setzt mit einem haarfeinen Pinsel. punktgenau kleine Äderchen
in die Blätter des Baumes. Die Ornamenttafeln, die für die persönlichen
Daten des Vorfahren bestimmt sind, werden von einer Schablone aus starkem
Karton auf das Papier gezeichnet. Hierauf wird jede einzelne Tafel lasiert.
"Beim Lasieren wird Farbe in starker Verdünnung aufgebracht, um einen
Grundierungseffekt zu erzielen. Dabei muß die Platte absolut waagrecht
liegen. Die Lösung ist so wäßrig,. daß sie bei der geringsten Neigung
über die Ränder der Ornamenttafel rinnen würde." Als nächstes kommt der
Luftpinsel zum Einsatz. "Damit kann ich am Ornament einen Nebeleffekt
erzeugen, der ihm räumliche Tiefe verleiht", erklärt Franz Rosenlechner.
Zuletzt werden noch Name, Geburts- und Sterbedatum sowie Beruf des Ahnen
eingefügt. Arbeitsteilung gehört bei den Rosenlechners zum Alltag.
"Meine Frau ist die Malkünstlerin. Sie gestaltet den eigentlichen Baum
und, wenn gewünscht, Landschaften oder Gebäude, die am Bild zu sehen sein
sollen. Ich arbeite mit dem Luftpinsel und entwerfe die Omamenttafeln."
Mindestens 100 Arbeitsstunden werden für eine Ahnentafel aufgewendet,
aber auch 300 und mehr sind bei Personen, deren Vorfahren sich bis ins
Mittelalter zurückverfolgen lassen, nötig. "Das sind Ausnahmefälle, meistens
adelige Familien, die eigene Aufzeichnungen führen", weiß Regina Rosenlechner.
Daß der hohe Zeitaufwand auch seinen Preis hat, leuchtet ein. Ab 700
Euro sind handgemalte Stammbäume zu erstehen. Wer ein aufwen ,. dig gestaltetes
Großformat sein Eigen nennen möchte, der könnte vor der Entscheidung stehen:
Neues Auto oder Ahnentafel? 12.000 Euro sollten dafür einkalkuliert werden.
Auftraggeber kommen aus allen Bevölkerungsschichten. "Bauern, Kaufleute,
Eisenbahner, auch Adelige zählen zu unseren Kunden. Oft sind unsere Stammbäume
Geburtstagsgeschenke für die Großeltern und die Familienmitglieder teilen
sich die Kosten", sagt Herr Rosenlechner.
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In einem kleinen Haus am Waldrand in der ländlichen Idylle
von Oberwang wohnen die Rosenlechners. Die beiden haben aus der Not eine
wohl einzigartige Tugend gemacht und genügen damit einem Trend der Zeit:
Sie sind Stamm- baummaler. Und das kam so: Bei einem Familientreffen kam
einer seiner Brüder mit einer Liste von Verwandten auf Herrn Rosenlechner
zu und fragte ihn, ob er nicht einmal einen Stammbaum gestal- ten wolle.
Gefragt, getan. Bis dorthin hat- ten die beiden mit der eigenen und anderer
Herkunft nichts am Hut. Als das Umfeld interessiert auf die noch recht
einfache Grafik reagierte, fingen die Rosenlechners an, sich intensiver
damit zu beschäftigen. „Die Frau ist die Künst- lerin", sagt Franz Rosenlechner.
Weil Regina Rosenlechner in ihrer Jugend gern gemalt hat, versuchte sie
sich im Gestalten der Familienbäume. 1990 ver kauften die beiden den ersten.
So trugen die Stammbäume allmählich Früchte.

Wer zu den Rosenlechners kommt, sollte alle Namen im Gepäck
haben. Eine gute Quelle sind alte Patezettel, Sterbe- und Hochzeitsurkunden.
Auch Grabsteine geben wertvolle Auskünfte. Dann emp- fiehlt es sich, das
örtliche Pfarramt aufzu- suchen. „Die Pfarrer taten früher das, was heute
das Standesamt tut. Sie führ- ten Aufzeichnungen über Geburten, Hochzeiten
und Todesfälle", erklärt Fra)r Rosenlechner. Sehr hilfreich ist das Landesarchiv
in Linz, in dem in Duplikateaus allen oberösterreichischen Pfarren aus
der Zeit von 1819 bis 1940 Einsicht genommen werden kann. Mitarbeiter
des Landesarchives betreuen die Su- chenden. Für das Mühlviertel und das
Innere Salzkammergut war ein gewisser Josef Heider sehr eifrig: Mit den
Matrikeln aller ursprünglichen Pfarren hat er eine österreichweit wohl
einzigartige Sammlung angelegt. Allerdings: Von behördlicher Seite darf
nur in Daten von Personen Einsicht genommen werden, die länger als hundert
Jahre tot sind. Die Akademie für Volkskultur bietet zudem Ahnenforschungs-
und Korrentlesekurse an.
Wer mit all dem noch immer nicht weit genug gekommen ist,
kann sich Hilfe von professionellen Familienforschern, Genealogen, holen.
„Für Normalsterbliche ist in der Regel um 1600 Schluss. Da beginnen die
Kirchenbucheinträge. Über bäuerliche Fa milien gibt es darüber hinaus
nur Auf- zeichnungen, wenn sie über Besitz, einen Erbhof, verfügten",
erklärt Frau Rosen lechner. Einen Volltreffer landen jene, die im Stammbaum
blaues Blut entdecken. Viele adelige Familien kann man leicht bis 1300
zurückverfolgen. Der australische Bauer Michael Hastings etwa betrachtet
sich als rechtmäßigen Anwärter auf den britischen Thron. Seine Nachforschungen
ergaben, dass Edward IV. als Vorfahre von Elizabeth II. kein leibliches
Kind seines adligen Vaters war. Deshalb wäre eigentlich dessen Bruder
George, der Herzog von Clarence, der legitime Erbe gewesen. Hastings wiederum
soll ein direkter Nachfahre dieses Herzogs sein. Und verzichtet großmütig:
„Ich werde keinen Brief an die Königin schreiben, in dem ich ihr sage:
,Sie haben drei Wochen Zeit zu verschwinden, und Sie schulden mir 500
Jahre Miete' ..." Ist alles gesammelt, der Stammbaum vollständig, dann
kann man bei den Rosenlechners, die auch schon den Stammbaum des österreichstämmigen
amerikanischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry gemacht haben, vor-
stellig werden.
Insgesamt fünfzehn Varianten bieten die Stammbaummaler an, die da von
Ahnen- über Familientafeln bis hin zu verschiedenen Stammbäumen reichen.
Handgemalt oder - wer es billiger haben möchte - ausschließlich am Computer.
Herr Rosenlechner konzipiert den Baum samt Schrift und Ornamenten auf
dem Bildschirm. Findet der Vorschlag die Zustimmung des Kunden, dann fällt
der Startschuss für die edle Handarbeit. Das größte „Stück" der Rosenlechners
war 7,5 Meter lang und zwei Meter hoch. Sechs bis acht Wochen sind für
kleinere Werke zu veranschlagen, die ganz großen brauchen mindestens ein
halbes Jahr. Kostenpunkt: 500 Euro aufwärts, Preis nach oben hin offen.
Auf der Suche nach der eigenen Identität
Die Nachfrage steigt jedenfalls. „Waren es früher vor
allem ältere Menschen, so interessieren sich heute auch sehr viele junge
Leute für Familienforschung", erklärt Johann Pammer vom Landesar- chiv.
Ahnenforschung zählt weltweit zu den beliebtesten Hobbys. Die Rosenlechners
führen das auch auf das Internet zurück: „Viele stellen ihren Stammbaum
hinein und suchen so oft erfolgreich nach ihren Ahnen." Ein Riesengeschäft:
Millionen Namen können via Internet auf dem schnellsten Weg abgefragt
werden. Bei der Suche im Netz stößt man rasch auf Seiten der Mormonen,
die akribisch nach verstorbenen Verwandten suchen, um sie posthum zu taufen,
und so die weltgrößte Datenbank aufgebaut haben. Ein weiterer Grund für
den Boom in Sachen Ahnenforschung ist die Suche nach der eigenen Identität
gerade in einer Zeit der Verunsicherung, Vereinsamung und Globalisierung.
Die Leutewol len wissen, von wem sie abstammen. Manche
suchen, um „ganz einfach wieder jemand zu sein, eine Identität zu haben,
nicht in der Masse unterzugehen", erklärt Johann Pammer. Andere wiederum
würden eine Erklärung für eigene Charakterzüge, eigene Schwächen suchen.
„Ich bin ein Filou und will wissen, wer mein Vorfahr-Filou war" hat ihm
jemand sein Motiv erklärt. Ahnenforschung als therapeutische Maßnahme
und Rechtfertigung: „Ich kann gar nichts dafür, dass ich so bin." An dieser
Vererbungstheorie sei etwas dran, ist Pammer überzeugt. Er entdeckte seinen
eigenen Hang zur Geschichte in Vorfahren, die für Maria Theresia und andere
Größen Geschichte niederschrieben. Und dann ist da noch die Ablehnung
der Ahnenforschung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Nach den Erfahrungen in
der Nazizeit, in der Abstammungsnachweise erbracht werden mussten, wurden
solche Forschungen bis in die achtziger Jahre schief angesehen", erklärt
Pammer. „Heute bewegt die Menschen mehr ein persönlicher Aspekt zum Suchen,
völ kische Gründe verschwinden mehr und mehr." Immer wieder erhält er
Anfragen von Familien, die zur Jahrhundertwende oder in den Zwanzigerjahren
ausgewandert sind und heute Angehörige suchen. Hilfreich sind dabei Passagierlisten
von Schiffen, mit denen die Oberösterreicher von Bremen aus nach Amerika
reisten. Für manche geht die Suche nach Angehörigen negativ aus: Eine
Ober- österreicherin heiratete einst nach Russland. Als sie mithilfe von
Pammer erfolgreich nach ihren Verwandten suchte, wollte man hier zu Lande
nichts von ihr wissen. Die Angst vor materiellen
Ansprüchen war größer als Blutsbande ... „Ich bin draufgekommen,
dass meine Eltern nicht meine Eltern sind." Schwie rig ist die Suche oft
für „Findelkinder". Sind Vater und Mutter unbekannt, dann kann es sein,
dass man niemanden findet. Umgekehrt gibt es böse Überraschungen, wenn
man Verwandte entdeckt, von denen man gar nichts wissen will: So zeichneten
die Rosenlechners schon bekannte Nazigrößen in ihre Aufträge ein. Oder
es tauchte ein uneheliches Kind auf, mit dem die betrogene Ehefrau keine
Freude hatte. All jene, die nicht fündig werden, könnte vielleicht die
These trösten, dass wir Europäer alle von sieben Müttern abstammen...
BUCHTIPP: Helmut lvo zeigt in seinem Buch „Familienforschen
leicht gemacht. Anregungen. Methoden.Tipps" (NP Ver- lag, 176 S., e 17,90)
, wie man sich erfol- greich auf die Suche nach den Ahnen begibt.

Das Stammbaum-Atelier Rosenlech
ner lädt von Donnerstag, 26. Mai, bis Sonntag, 29. Mai, täglich von neun
bis 18 Uhr zum „Tag der offenen Tür" nach Oberwang. Info: Tel. 06233/8553
oder im Internet unter www.stammbaum-rosenlechner.at
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