HOME
Der ORF Salzburg bei uns im Atelier
KONTAKT

 

 

 

 

Bezirks
Rundschau
Vöcklabruck

Der Meister der Stammbäume
Oberwanger entdeckte Marktlücke

 

 

Bildund Text: copyright by Rundschau Vöcklabruck
Foto: BR/Steiner

Ausgabe vom 9.9.2010
Sonderbeilage
"Quer durchs Mondseeland"

Ahnentafel oder Stammbaum: Franz Rosenlechner kennt den Unterschied ganz genau: Der stammbaum zeigt die Nachkommen der Eltern oder (Ur)Großeltern, die ganz unten stehen. Bei der Ahnentafel ist es umgekehrt: Sie geht von den Kindern aus zu den Vorfahren zurück. Rund 250 Stammbäume hat der Oberwanger in den vergangenen 20 Jahren hergestellt. Damals entedeckte er zufällig diese Marktlücke. Der ehemalige Gemeindearbeiter suchte eine neue Arbeit, kaufte sich einen Computer und lernte, damit umzugehen. Dabei entstand die Idee, den eigenen Stammbaum zu Zeichnen. "Ich habe gesehen, dass großese Interesse da ist", erklärt Rosenlechner den Schritt vom Hobby zum Unternehmen. Die Stammbäume wurden weiterentwickelt und viele Messen besucht. Ein bis zwei
Exemplare stellt Rosenlechner mit seiner Frau im Monat her. Er selbst konzipiert den Baum am Computer und druckt die Schriftauf Karton oder Leinwand.

Bis zu Karl dem Großen

Dann kommt Regina Rosenlechner ins Spiel: Sie ist die Künstlerin im Stammbaum-Atelier. Mit Acrylfarben malt sie jeden gewünschten Baum, oft kommt dazu Hof, Elternhaus oder Landschaft. Der Stammbaum kann kleinformatig, aber auch riesig sen. Drei Meter mal 1,20 Meter hatte bisher der Größte. Die Kosten ab 700 Euro. "Vier Personen waren das Wenigste, wir hatten aber auch schon 600 auf einen Baum", erzählt Regina Rosenlechner. Der bisher interessanteste: "Eine Stammtafel, die bis zu Karl den Großen zurückging."
Mehr Infos: www.stammbaum-rosenlechner.at

 

LandIDEE
www.landidee.de

Ausgabe
Februar März
2010

STAMMBAUM-MALER

KÜNSTLERISCHE WURZELN

Viele Menschen interessieren sich für die Vergangenheit ihrer Familie und tragen in oft jahrelanger Arbeit die Daten ihrer Ahnen und Uhrahnen zusammen. Regine und Franz Rosenlechner verwandeln die nüchternen Fakten in eindrucksvolle Gemälde

 

 

 

 

Bilder und Text: copyright by LandIdee

Fuchs und Hase können sich hinter dem Haus von Regina und Franz Rosenlechner, das in ländlicher Idylle außerhalb des Dörfchens Oberwang im Salzkammergut liegt, zweifellos ganz ungestört "Gute Nacht" sagen. Fichten und Tannen großen vom Waldrand herüber, während im heimeligen Atelier des Ehepaares Gehölze der ganz besonderen Art wachsen: Familienstammbäume - mit viel Liebe zum Detail ebenso kunstfertig wie präzise in Handarbeit erschaffen. Schon beim Betreten des Hauses geraten die Besucher ins Staunen. In jedem Zimmer, sogar in der Diele, reihen sich an den Wänden die unterschiedlichsten Tafeln dicht gedrängt aneinander. "Und jede ist ein Unikat", bestätigt Regina Rosenlechner stolz. Die größte
kann aus Platzgründen gar nicht aufgehängt werden: Sie misst 7,20 mal 2,20 Meter und zeigt den Stammbaum der Menschheit, auf dem etwa 1000 Personen verzeichnet sind. Die beiden Künstler, die auch gern historische Stammbäume wie die von Wolf gang Amadeus Mozart oder Johann Strauss zusammenstellen, haben ihn aus purem Interesse für sich selbst gestaltet.

 

 

 

 

 

 

Zum Übertragen der Namen und Daten aus alten Dokumenten auf dem Stammbaumentwurf brauchen Regina und Franz Rosenlechner oft nicht nur eine Lupe, sondern auch Kenntnisse von Kurrent-oder Sütterlinschrift

EIN DENKMAL FÜR DIE AHNEN

Beim Graben nach den eigenen Wurzeln hat das Ehepaar vor knapp zwanzig Jahren mit dem Stammbaum-Malen begonnen. Heute kommen die Menschen, die mit ihrer Hilfe ihren Vorfahren ein künstlerisches Denkmal setzen wollen, über den deutschsprachigen Raum hinaus aus ganz Europa.

Die erforderlichen Dokumente haben sie im Gepäck. Denn die Rosenlechners können zwar Tipps geben, die genealogische Forschung muss jedoch jeder selbst betreiben (siehe Seite 29). Gemeinsam mit den Kunden überlegen sie bei der Sichtung des Materials, welche Darstellung am besten geeignet ist - ein dekorativer Stammbaum oder eine repräsentative Ahnentafel. Der Unterschied: Stammbäume gehen von einem Gründerpaar aus, im Geäst befinden sich die Nachkommen. Die Ahnentafel beginnt unten mit der jetzigen Familie und arbeitet sich Elternpaar für Elternpaar hinauf in die Krone. Bei alteingesessenen Familien sind oft auch Erbhofchroniken gefragt. Das ist nicht die einzige Entscheidung, die getroffen werden muss.
Wie sollen die Ornamente mit den Personendaten aussehen? Gibt es Porträtfotos und Wappen? Wichtig ist der Baum: Häufig wird die Eiche bevorzugt, aber auch das Laub von Buche, Esche oder Kastanie bietet einen schönen Schmuck. "Je nach Wunsch können weitere Landschaftselemente, Straßen, Gebäude oder Ortschaften eingearbeitet werden", verrät Regina Rosenlechner, die hier ihr großes Maltalent einbringt. Wenn das Grundgerüst mit Namen, Geburts- und Sterbedaten steht, wird es auf einen mit einer MDF-Platte stabilisierten wasserfesten Karton übertragen. Bei der anschließenden Ausschmückung arbeitet das Ehepaar Hand in Hand. Während er mit Schablonen die Ornamente aufbringt und diesen mit Hilfe der Airbrush-Technik räumliche Tiefe verleiht, gestaltet die Künstlerin mit Acrylfarbe die gesamte Landschaft und gibt dem Gemälde mit geschultem Auge den letzten Schliff: Hier erhält die Baumrinde eine natürliche Struktur, dort setzt sie mit dem Pinsel feine Adern in die Blätter. Bis zum Schluss das Werk mit Klarlack lasiert und auf Wunsch auch gerahmt wird, sind meist drei bis vier Monate. ins Land gegangen. Franz Rosenlechner: "Für einen Stammbaum, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht und über 300 Personen umfasst, brauchen wir sogar fast ein Jahr." Vom Zeitaufwand ist natürlich auch der Preis einer Familientafel abhängig: Die günstigste kostet knapp 1000 Euro.
Auf einer Palette mischt Regina Rosenlechner das Grün, mit dem sie die Blätter in den Stammbaum malt. Ihr Mann macht sich mit der Airbrush-Pistole an die Gestaltung der Ornamente

 

MANCHE KUNDEN FALLEN IHR SPONTAN UM DEN HALS

Und dann kommt der schwerste Moment. "Es tut oft richtig weh, wenn wir uns von unseren Stammbäumen verabschieden müssen", gesteht Regina Rosenlechner. ,,Aber die Freude, die die Leute daran haben, macht das wieder wett." Es gibt sogar Kunden, die ihr spontan um den Hals fallen, wenn sie die fertige Tafel in Händen halten.

Mit Redakteurin Angelika Krause blättert Franz Rosenlechner in seinem Buch "Die Stammbaum-Maler" (links), in dem viele Ahnentafeln (oben), Stammbäume (rechts) und Hofchroniken abgebildet sind. Es kostet 28 Euro,

Ausgabe Februar/März 2010

Text: Angelika Krause
Fotos: Peter Raider München
copyright by LandIDEE

www.landidee.de

 

 

 

 

10.02.2010
Salzburger Nachrichten
23.08.2007
Beilage


 

Filmbeitrag zum Artikel

Den Ahnen ein Denkmal setzen
| Regina und Franz Rosenlechner fertigen aus Daten von Ahnenforschern prächtige Stammbäume. Die Idee dazu lieferte ein Computerexperiment. Salzburg (SN). Der Boom der Ahnen- und Familienforschung beschert einem kleinen Familienbetrieb in Oberwang bei Mondsee volle Auftragsbücher. Franz und Regina Rosenlechner betreiben Österreichs einziges Stammbaumatelier. Das 15-jährige Firmenjubiläum wurde kürzlich mit der Publikation eines eigenen Buches gefeiert. Wer die Vergangenheit seiner Familie in oft jahrelanger Arbeit erforscht hat, möchte diese auch entsprechend darstellen. Die nackten Daten in eine repräsentative Ahnentafel, eine Erbhofaufstellung oder einen Familienstammbaum zu bringen, das ist die Aufgabe der Rosenlechners: Je nach Umfang und Kundenwunsch kann das Einzelstück bis zu drei Meter breit sein. "Der bisher größte Stammbaum hat an die 600 Personen beinhaltet", erinnert sich Franz Rosenlechner. Jede Tafel ist eine Gemeinschaftsarbeit des Ehepaars und damit ein Zusammenspiel aus Technik und Kunst: Franz Rosenlechner stellt den Entwurf per Computer her, seine Frau Regina zeichnet für die künstlerische Gestaltung der Tafeln mit Bäumen, Gebäuden und Landschaften verantwortlich. Fotos und Schrift werden mittels aufwändiger Drucktechnik integriert. Die Kundenbeziehung ist meist sehr innig: "Ein Herr aus Deutschland ist mir einmal vor lauter Begeisterung spontan um den Hals gefallen, als er die fertige Tafel gesehen hat", sagt Franz Rosenlechner, der Gäste mit einem Ständchen auf der Ziehharmonika zu begrüßen pflegt. Am Anfang stand für den Handwerksbetrieb ein Computer. Franz Rosenlechner war arbeitslos geworden, wollte aber nicht untätig daheim sitzen. Beim Experimentieren mit dem PC zeichnete er den eigenen Familienstammbaum im Großformat: "Der Neun-Nadel-Drucker hat einen ganzen Tag fürs Ausdrucken gebraucht." Das Ergebnis wirkte aber noch etwas eckig - bis Regina Rosenlechner ihr Zeichentalent einbrachte. Inzwischen sind Rosenlechner-Stammbäume in den ganzen deutschen Sprachraum und sogar in die USA gegangen. Respekt zeigen die beiden für die Vorarbeit der Auftraggeber und die historische Dimension dahinter: "Jeder einzelne Stammbaum macht Freude. Aber wenn es viele Jahrhunderte zurückgeht, ist es etwas Besonderes", sagt Franz Rosenlechner. Drei bis vier Monate vergehen mindestens von der Bestellung bis zum fertigen Produkt. Innovationen sind in Vorbereitung: Bald soll es edle Stammbaumvarianten in Öl gemalt oder auf Keramikfliesen geben. www.stammbaum-rosenlechner.at

 
GANZE
WOCHE

Reportage
DIE STAMBAUM-MALER AUS DEM SALZKAMMERGUT
Wo kommen wir her - wo gehen wir hin? Zwei Fragen, deren Beantwortung seit jeher von großem Interesse war. Während das "Wohin" nicht mit Sicherheit zu beantworten ist, kann das Ehepaar Rosenlechner aus Oberwang in Oberösterreich in seinem Stammbaum-Atelier bei der Klärung der Frage nach dem "Woher" behilflich sein.
23.5.2006
Foto: zvg
 
 

Dass sich im Herzen des Salzkammergutes, in dem einst Kaiser, Adelige und Künstler weilten, auf halbem Weg zwischen Mondsee und Attersee in Oberösterreich, ein Stammbaum-Atelier befindet, kann kein Zufall sein. Dennoch fand Franz Rosenlechner erst über Umwege zu seiner wahren Berufung: "Im Alter von 47 Jahren verlor ich aufgrund gesundheitlicher Probleme meinen Arbeitsplatz. Mehr als Beschäftigungstherapie kaufte ich mir einen Computer. Mit seiner Hilfe erstellte ich dann den Stammbaum meiner Familie." 15 Jahre sind seither vergangen und Stammbäume werden in Oberwang noch immer gezeichnet - aber aufwendiger.

Schon beim Betreten des Wohnhauses der Rosenlechners, in dem sich auch das Atelier befindet, zeigt sich der künstlerische Schaffens drang des Ehepaares. Überall an den Wanden hängen liebevoll gestaltete Ahnentafeln. "Das kleinste Format, in dem wir die Stammbäume fertigen, mißt 70 x 46 cm. Das hat zwei Grunde: Einerseits soll natürlich ein gewisser Gemäldecharakter er- " halten bleiben, der bei kleineren Dimensionen verlorenginge, an- dererseits auch der Übersichtlichkeit wegen. Selbst bei Ahnenfolgen, die im späten 19. Jahrhundert enden, - kommen wir auf 50 Personen", erzählt Regina Rosenlechner und die brauchen eben Platz.

Ins Staunen gerät der Besucher, wenn er dieser Tage in das im ersten Stock gelegene Atelier kommt. Dort wird gerade an einem Stammbaum im Format 220 x 180 cm gearbeitet. Hier beginnt die Ahnenfolge im 16. Jahrhundert und umfaßt etwa 180 Personen. "Bei dieser Größe stoßen wir an unsere Grenzen. Da wir den Stammbaum in einem Stück herstellen, können wir ihn nur so groß machen, wie wir ihn durch die Türe bringen", so die Hausherrin. Gearbeitet wird auf wasserfestem Papier. "Leinwand ist für unsere Arbeit ungeeignet, weil wir auf die grobe Struktur des Stoffes nicht die feinen Schriften aufbringen können. Da sich der Papierbogen aber beim Bemalen wellt, muß er zuerst stabilisiert werden, indem er unter hohem Druck auf eine Hartfaserplatte aufgepreßt wird."

Der Baum und die Blätter werden in Acrylfarben mit Pinsel gemalt. "Acryl hat gegenüber der Aquarelltechnik den Vorteil, daß Sonnen licht und Temperaturschwankungen den Farben nichts anhaben können." Zur Demonstration ihres Geschicks greift Regina Rosenlechner nach ihrer Farbpalette, mischt mit sicherem Gefühl die Farben und setzt mit einem haarfeinen Pinsel. punktgenau kleine Äderchen in die Blätter des Baumes. Die Ornamenttafeln, die für die persönlichen Daten des Vorfahren bestimmt sind, werden von einer Schablone aus starkem Karton auf das Papier gezeichnet. Hierauf wird jede einzelne Tafel lasiert. "Beim Lasieren wird Farbe in starker Verdünnung aufgebracht, um einen Grundierungseffekt zu erzielen. Dabei muß die Platte absolut waagrecht liegen. Die Lösung ist so wäßrig,. daß sie bei der geringsten Neigung über die Ränder der Ornamenttafel rinnen würde." Als nächstes kommt der Luftpinsel zum Einsatz. "Damit kann ich am Ornament einen Nebeleffekt erzeugen, der ihm räumliche Tiefe verleiht", erklärt Franz Rosenlechner. Zuletzt werden noch Name, Geburts- und Sterbedatum sowie Beruf des Ahnen eingefügt. Arbeitsteilung gehört bei den Rosenlechners zum Alltag.

"Meine Frau ist die Malkünstlerin. Sie gestaltet den eigentlichen Baum und, wenn gewünscht, Landschaften oder Gebäude, die am Bild zu sehen sein sollen. Ich arbeite mit dem Luftpinsel und entwerfe die Omamenttafeln."

Mindestens 100 Arbeitsstunden werden für eine Ahnentafel aufgewendet, aber auch 300 und mehr sind bei Personen, deren Vorfahren sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lassen, nötig. "Das sind Ausnahmefälle, meistens adelige Familien, die eigene Aufzeichnungen führen", weiß Regina Rosenlechner.

Daß der hohe Zeitaufwand auch seinen Preis hat, leuchtet ein. Ab 700 Euro sind handgemalte Stammbäume zu erstehen. Wer ein aufwen ,. dig gestaltetes Großformat sein Eigen nennen möchte, der könnte vor der Entscheidung stehen: Neues Auto oder Ahnentafel? 12.000 Euro sollten dafür einkalkuliert werden. Auftraggeber kommen aus allen Bevölkerungsschichten. "Bauern, Kaufleute, Eisenbahner, auch Adelige zählen zu unseren Kunden. Oft sind unsere Stammbäume Geburtstagsgeschenke für die Großeltern und die Familienmitglieder teilen sich die Kosten", sagt Herr Rosenlechner.

 

NEUES VOLKSBLATT
Farbbeilage am Samstag

WURZELWERK
Die Suche nach den eigenen Wurzeln boomt. Nach Zeiten, in denen Ahnenforschung verpönt war, interessieren sich heute sehr viele Menschen für die Vergangenheit ihrer Familien. Stammbäume, früher dem Adel vorbehalten, lässt sich heute auch der Normalsterbliche malen

Von Melanie Wagenhofer

Samstag 30.4.2005
Fotos: Röbl
 
 

In einem kleinen Haus am Waldrand in der ländlichen Idylle von Oberwang wohnen die Rosenlechners. Die beiden haben aus der Not eine wohl einzigartige Tugend gemacht und genügen damit einem Trend der Zeit: Sie sind Stamm- baummaler. Und das kam so: Bei einem Familientreffen kam einer seiner Brüder mit einer Liste von Verwandten auf Herrn Rosenlechner zu und fragte ihn, ob er nicht einmal einen Stammbaum gestal- ten wolle. Gefragt, getan. Bis dorthin hat- ten die beiden mit der eigenen und anderer Herkunft nichts am Hut. Als das Umfeld interessiert auf die noch recht einfache Grafik reagierte, fingen die Rosenlechners an, sich intensiver damit zu beschäftigen. „Die Frau ist die Künst- lerin", sagt Franz Rosenlechner. Weil Regina Rosenlechner in ihrer Jugend gern gemalt hat, versuchte sie sich im Gestalten der Familienbäume. 1990 ver kauften die beiden den ersten. So trugen die Stammbäume allmählich Früchte.

Wer zu den Rosenlechners kommt, sollte alle Namen im Gepäck haben. Eine gute Quelle sind alte Patezettel, Sterbe- und Hochzeitsurkunden. Auch Grabsteine geben wertvolle Auskünfte. Dann emp- fiehlt es sich, das örtliche Pfarramt aufzu- suchen. „Die Pfarrer taten früher das, was heute das Standesamt tut. Sie führ- ten Aufzeichnungen über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle", erklärt Fra)r Rosenlechner. Sehr hilfreich ist das Landesarchiv in Linz, in dem in Duplikateaus allen oberösterreichischen Pfarren aus der Zeit von 1819 bis 1940 Einsicht genommen werden kann. Mitarbeiter des Landesarchives betreuen die Su- chenden. Für das Mühlviertel und das Innere Salzkammergut war ein gewisser Josef Heider sehr eifrig: Mit den Matrikeln aller ursprünglichen Pfarren hat er eine österreichweit wohl einzigartige Sammlung angelegt. Allerdings: Von behördlicher Seite darf nur in Daten von Personen Einsicht genommen werden, die länger als hundert Jahre tot sind. Die Akademie für Volkskultur bietet zudem Ahnenforschungs- und Korrentlesekurse an.

Wer mit all dem noch immer nicht weit genug gekommen ist, kann sich Hilfe von professionellen Familienforschern, Genealogen, holen. „Für Normalsterbliche ist in der Regel um 1600 Schluss. Da beginnen die Kirchenbucheinträge. Über bäuerliche Fa milien gibt es darüber hinaus nur Auf- zeichnungen, wenn sie über Besitz, einen Erbhof, verfügten", erklärt Frau Rosen lechner. Einen Volltreffer landen jene, die im Stammbaum blaues Blut entdecken. Viele adelige Familien kann man leicht bis 1300 zurückverfolgen. Der australische Bauer Michael Hastings etwa betrachtet sich als rechtmäßigen Anwärter auf den britischen Thron. Seine Nachforschungen ergaben, dass Edward IV. als Vorfahre von Elizabeth II. kein leibliches Kind seines adligen Vaters war. Deshalb wäre eigentlich dessen Bruder George, der Herzog von Clarence, der legitime Erbe gewesen. Hastings wiederum soll ein direkter Nachfahre dieses Herzogs sein. Und verzichtet großmütig: „Ich werde keinen Brief an die Königin schreiben, in dem ich ihr sage: ,Sie haben drei Wochen Zeit zu verschwinden, und Sie schulden mir 500 Jahre Miete' ..." Ist alles gesammelt, der Stammbaum vollständig, dann kann man bei den Rosenlechners, die auch schon den Stammbaum des österreichstämmigen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry gemacht haben, vor- stellig werden.

Insgesamt fünfzehn Varianten bieten die Stammbaummaler an, die da von Ahnen- über Familientafeln bis hin zu verschiedenen Stammbäumen reichen. Handgemalt oder - wer es billiger haben möchte - ausschließlich am Computer. Herr Rosenlechner konzipiert den Baum samt Schrift und Ornamenten auf dem Bildschirm. Findet der Vorschlag die Zustimmung des Kunden, dann fällt der Startschuss für die edle Handarbeit. Das größte „Stück" der Rosenlechners war 7,5 Meter lang und zwei Meter hoch. Sechs bis acht Wochen sind für kleinere Werke zu veranschlagen, die ganz großen brauchen mindestens ein halbes Jahr. Kostenpunkt: 500 Euro aufwärts, Preis nach oben hin offen.

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Die Nachfrage steigt jedenfalls. „Waren es früher vor allem ältere Menschen, so interessieren sich heute auch sehr viele junge Leute für Familienforschung", erklärt Johann Pammer vom Landesar- chiv. Ahnenforschung zählt weltweit zu den beliebtesten Hobbys. Die Rosenlechners führen das auch auf das Internet zurück: „Viele stellen ihren Stammbaum hinein und suchen so oft erfolgreich nach ihren Ahnen." Ein Riesengeschäft: Millionen Namen können via Internet auf dem schnellsten Weg abgefragt werden. Bei der Suche im Netz stößt man rasch auf Seiten der Mormonen, die akribisch nach verstorbenen Verwandten suchen, um sie posthum zu taufen, und so die weltgrößte Datenbank aufgebaut haben. Ein weiterer Grund für den Boom in Sachen Ahnenforschung ist die Suche nach der eigenen Identität gerade in einer Zeit der Verunsicherung, Vereinsamung und Globalisierung.

Die Leutewol len wissen, von wem sie abstammen. Manche suchen, um „ganz einfach wieder jemand zu sein, eine Identität zu haben, nicht in der Masse unterzugehen", erklärt Johann Pammer. Andere wiederum würden eine Erklärung für eigene Charakterzüge, eigene Schwächen suchen. „Ich bin ein Filou und will wissen, wer mein Vorfahr-Filou war" hat ihm jemand sein Motiv erklärt. Ahnenforschung als therapeutische Maßnahme und Rechtfertigung: „Ich kann gar nichts dafür, dass ich so bin." An dieser Vererbungstheorie sei etwas dran, ist Pammer überzeugt. Er entdeckte seinen eigenen Hang zur Geschichte in Vorfahren, die für Maria Theresia und andere Größen Geschichte niederschrieben. Und dann ist da noch die Ablehnung der Ahnenforschung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Nach den Erfahrungen in der Nazizeit, in der Abstammungsnachweise erbracht werden mussten, wurden solche Forschungen bis in die achtziger Jahre schief angesehen", erklärt Pammer. „Heute bewegt die Menschen mehr ein persönlicher Aspekt zum Suchen, völ kische Gründe verschwinden mehr und mehr." Immer wieder erhält er Anfragen von Familien, die zur Jahrhundertwende oder in den Zwanzigerjahren ausgewandert sind und heute Angehörige suchen. Hilfreich sind dabei Passagierlisten von Schiffen, mit denen die Oberösterreicher von Bremen aus nach Amerika reisten. Für manche geht die Suche nach Angehörigen negativ aus: Eine Ober- österreicherin heiratete einst nach Russland. Als sie mithilfe von Pammer erfolgreich nach ihren Verwandten suchte, wollte man hier zu Lande nichts von ihr wissen. Die Angst vor materiellen

Ansprüchen war größer als Blutsbande ... „Ich bin draufgekommen, dass meine Eltern nicht meine Eltern sind." Schwie rig ist die Suche oft für „Findelkinder". Sind Vater und Mutter unbekannt, dann kann es sein, dass man niemanden findet. Umgekehrt gibt es böse Überraschungen, wenn man Verwandte entdeckt, von denen man gar nichts wissen will: So zeichneten die Rosenlechners schon bekannte Nazigrößen in ihre Aufträge ein. Oder es tauchte ein uneheliches Kind auf, mit dem die betrogene Ehefrau keine Freude hatte. All jene, die nicht fündig werden, könnte vielleicht die These trösten, dass wir Europäer alle von sieben Müttern abstammen...

BUCHTIPP: Helmut lvo zeigt in seinem Buch „Familienforschen leicht gemacht. Anregungen. Methoden.Tipps" (NP Ver- lag, 176 S., e 17,90) , wie man sich erfol- greich auf die Suche nach den Ahnen begibt.

Das Stammbaum-Atelier Rosenlech ner lädt von Donnerstag, 26. Mai, bis Sonntag, 29. Mai, täglich von neun bis 18 Uhr zum „Tag der offenen Tür" nach Oberwang. Info: Tel. 06233/8553 oder im Internet unter www.stammbaum-rosenlechner.at

 
     

KURIER

Chronik

Ahnensuche wird zum Volkssport

Die Suche nach den Ahnen boomt und ist im Internet eine der häufigsten Anfragen....

Sa 25. Dez 2004

Seite 21

 
Von Dieter Strasser
 
 
Artikel aus Platzgründen nur auszugsweise wiedergegeben.
 
 
Auf der Titelseite im KURIER
KURIER Seite 21

Adel verpflichtet - auch Normalsterbliche: Stammbaum-Maler machen gute Geschäfte
 
     

ESSLINGER
ZEITUNG
AM WOCHENENDE

Spurensuche im Familienkrimi

Ein Bericht anläßlich des 56. deutschen Genealogentages in Leonberg bei Stuttgart.

Von Gerhard Schindler

2/3 Oktober 2004

Seite 37

 

(Auszug aus dem Artikel der Esslinger Zeitung)

 
     
Dienstag 25.12.2003
Seite 25
 
 
 
Regina und Franz Rosenlechner mit einem Stammbaum der besonderen Art: einer Tafel praktisch aller wichtigen Sprachen und Dialekte, die es auf der Welt gab und gibt ------. Foto: gary
 
     
VON GARY SPERER
Ein kunstvolles Stück Familiengeschichte
 

OBERWANG. Weil sie Antworten auf die Frage des "Woher" geben können, üben Stammbäume seit jeher eine Faszination auf viele Menschen aus. Ein Oberwanger Ehepaar hat sich darauf spezialisiert.

Seit mehr als zehn Jahren malen Franz und Regina Rosenlechner auf Bestellung Stammbäume und Ahnentafeln. Was die beiden dafür benötigen, sind die Daten der Vorfahren des Kunden. "Die schauen wir uns an, und dann sehen wir, was für eine Struktur und was für eine Art Stammbaum daraus entsteht", beschreibt Franz Rosenlechner das Procedere. "Das kann eine Ahnentafel sein, ein Vorfahrenstammbaum oder eine Namenslinie." Das Ehepaar teilt sich die Arbeit auf. "Meine Frau macht das Künstlerische, die Gemälde", sagt Rosenlechner, "und meine Arbeit ist es, die Ornamente zu zeichnen und zu malen sowie die gesamte Vorarbeit und die Tätigkeit am Computer, Konzipierung, Geschäftsabschlüsse, Buchhaltung." Das "Graben" nach der eigenen Familienwurzeln sei Grund gewesen, mit dem Stammbaum-Malen zu beginnen, erinnert sich der Oberwanger. "Unseren Stammbaum hat mein Bruder mit einer Cousine erforscht. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn ich diese Familiendaten nicht gehabt hätte, ob ich dann damit angefangen hätte. Ich nehme fast an, nicht."

Die einzigen in Österreich

Aus dem Hobby wurde Broterwerb, und zwar einer, der bis weit über die Grenzen des Bundesgebietes hinaus einzigartig ist. "In Österreich wissen wir niemanden, der das hauptberuflich macht", meint Regina Rosenlechner. Dabei werden auch komplizierteste Stammbäume, wie jener, den eine deutsche Familie in Auftrag gegeben hat, in relativ kurzer Zeit erledigt. Die Lieferzeit beträgt selbst bei derart

Die Ahnentafel Jesu - beginnend bei Adam und Eva

 

Eines der liebevoll und akribisch angefertigten Kunstwerke

schwierigen Ausführungen nur drei bis vier Monate. "Man bekommt schon eine gewisse Routine, damit man das in einer gewissen Zeit bewältigen kann", spricht Franz Rosenlechner

" In Österreich wissen wir niemanden außer uns, der das hauptberuflich macht "

REGINA
ROSENLECHNER

aus seiner Erfahrung. "Es geht ja nicht ums Malen allein, sondern um die ganze andere Arbeit auch." Als da wären Konzipierung, Platzierung und Zeichnen der Ornamente. "Das zeichne ich alles selbst. Es gäbe zwar Tausende Cliparts aus dem Computer, aber da ist nichts dabei, was man brauchen könnte" , weiß der Stammbaummaler. Die Rosenlechners arbeiten immer an mehreren Aufträgen gleichzeitig. "Das ist deswegen gut, weil man nicht immer malen kann. Das ist das Anstrengendste. Ich kann höchstens vier bis fünf Stunden lang malen, dann muss ich aufhören. Da ist es praktisch, wenn man derweil andere Vorarbeiten machen kann: Schrift setzen, konzipieren, wegschicken zur Korrektur." Auf Onkel Max vergessen Ein Stammbaum birgt also eine Unmenge Arbeit. Was, wenn trotzdem beim fertigen Produkt ein Fehler gefunden wird, etwa weil die Kundschaft Onkel Max oder Tante Trudi vergessen hat? Rosenlechner: "Wir machen einen Rohentwurf in Originalgröße. Den bekommt der Kunde zugeschickt, damit er alles ergänzen kann. Dann sollte es nichts mehr geben, aber wir wissen natürlich, dass auch der Kunde nur ein Mensch ist und Fehler macht. Es ist schon vorgekommen, dass etwas übersehen wurde.

Also haben wir einen neuen Stammbaum gemacht mit der Bitte, dass wir den fehlerhaften für die Ausstellung hernehmen dürfen." So passiert etwa bei einem Familienstammbaum mit rund 300 Personen. Die Preise für einen Stammbaum oder eine Ahnentafel sind je nach Größe unterschiedlich. Klar, dass ein Werk im Format 180 mal 200 Zentimeter mehr kostet als ein "Bonsai". Berechnet wird die Fläche "Wir haben eine genaue Preisliste, sagt Franz Rosenlechner. "Das ist nicht irgendetwas, das da verlangt wird, sondern der Erfahrungswert. Am Anfang haben wir nicht gewusst, wie wir das berechnen sollen. Jetzt haben wir einen Flächenschlüssel, und dieser ergibt den Preis. Wir verrechnen pro Quadratdezimeter."

"Das sind keine Massenartikel. Es ist eine große Überlegung, sich so etwas anzuschaffen "

FRANZ
ROSENLECHNER

Grundsätzlich müsse man bedenken, dass es sich um ein Kunstwerk handle und nicht um einen Massenartikel. "Das kostet halt Geld", so der Künstler. "Es ist ja nichts, was man geschwind machen lässt und in zwei Jahren wieder wegwirft. Es ist eine große Überlegung, sich so etwas anzuschaffen." Keine Ahnenforschung Die Rosenlechners malen zwar wunderschöne Stammbäume für ihre Kunden, die Ahnenforschung selbst können sie ihnen jedoch nicht abnehmen. "Wir machen nur die graphische Aufstellung. Es wäre nicht möglich, beides zu machen. Das geht sich zeitlich nicht aus. Da bräuchte man einen eigenen Mitarbeiter. Es ist nicht einmal möglich, dass das eine einzige Person macht, weil es so ein enormer Zeitaufwand ist, dass zwei Leute mit Liebe arbeiten müssen, um es zu schaffen." Was sollte man beachten, wenn man einen Stammbaum aus dem Hause Rosenlechner haben möchte? "Wenn jetzt jemand ganz neu mit dem Datensammeln beginnt, sollte er uns kontaktieren und sich informieren bei uns, bevor er mit dem Stammbaum anfängt." Sehr hilfreich beim Datensammeln seien Pfarrämter. Mit Hilfe der Matrikelnummern, die sich auf den zu Hause lagernden alten Dokumenten befinden, käme man dort oft einen Schritt weiter auf dem Weg zurück in die Vergangenheit der Familie. Sind die Informationen gesammelt, muss sich die Kundschaft entscheiden, welche Art von Stammbaum oder Ahnentafel sie wünscht. Insgesamt 18 verschiedene Möglichkeiten stehen zur Auswahl. Und wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie sogar nach dem Holz gefragt werden: Eiche oder Erle?

Informationen bei Familie Rosenlechner in Oberwang: Tel. 06233 / 85 53, Internet: www.stammbaum-rosenlechner.at

Anstrengende Feinarbeit

 

OÖNachrichten vom 26.11.2003

     
Oberösterreichische Wirtschaft
UNTERNEHMEN & PRODUKTE
13. Juni 2003
 
Familiengeheimnissen auf der Spur